Diagnose Allergie

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Übersicht über die verschiedenen Allergieteste


Den Allergenen auf der Spur

Meistens beginnen Allergien ja recht harmlos, zum Beispiel in Form eines Heuschnupfens, der zwar lästig ist und nach wenigen Wochen meistens wieder vorübergeht - bis zum nächsten Jahr...

Dennoch ist es ratsam, sich schon im Anfangsstadium einer Allergie vom Allergologen untersuchen und beraten zu lassen. Das Ziel der allergologischen Diagnostik ist nicht nur festzustellen, dass man Allergiker ist, sondern auch, gegen welche Allergene man reagiert. Denn nur, wenn man "seine Allergene" kennt, kann man ihnen ggf. auch aus dem Wege gehen.

Darüber hinaus lassen sich gerade im Anfangsstadium einer Allergie effektivere Maßnahmen zur dauerhaften Verminderung der Beschwerden treffen, die auch einer Verschlimmerung der Symptome und einer Ausweitung auf weitere Allergene vorbeugen können.

Häufig ist die Diagnostik einfach und nach Anamnese (Krankengeschichte) und Pricktest ist die Sache klar. Manchmal gleicht sie aber regelrecht einer Detektivarbeit, bis die auslösenden Allergene zweifelsfrei identifiziert sind. Dann sind oft die Kenntnisse und die Erfahrung eines Allergiespezialisten gefragt.

 

Übersicht über den Ablauf der allergologischen Diagnostik bei Typ I-Allergien:

 

Vor der Testung kommt die allergologische Anamnese 

Am Beginn der allergologischen Diagnostik steht die sogenannte allergologische Anamnese. Das ist die ausführliche Befragung des Patienten nach allen Informationen, die im Zusammenhang mit einer vermuteten allergischen Erkrankung von Interesse sein könnten.

Die Anamnese spielt eine ganz zentrale Rolle innerhalb der allergologischen Diagnostik. Anhand der Ergebnisse dieser Befragung entscheidet der Allergologe über den weiteren Verlauf der Diagnostik, das heißt, ob eine Allergie überhaupt wahrscheinlich ist und welche Allergieteste zum Einsatz kommen sollen. Auch kann er aus der Anamnese bereits wichtige Informationen darüber gewinnen, welche Allergene für eine Testung überhaupt in Frage kommen.

Ihr Arzt wird Sie dann über den weiteren Verlauf der Diagnostik aufklären, Ihnen Sinn und Zweck der Testungen erklären und was Sie vor, während und nach den Allergietesten beachten sollten. So ist es zum Beispiel wichtig, bestimmte Medikamente, die die allergischen Symptome unterdrücken,  rechtzeitig vor der Testung abzusetzen, da sie das Testergebnis negativ beeinflussen könnten.

Der weitere Verlauf der Diagnostik ist abhängig vom Ergebnis der Anamnese, zum Beispiel von der Art Ihrer Symptome und davon, wann diese Symptome auftreten. Meistens wird als erster Test ein Hauttest durchgeführt.

 

Die Hautteste sind meist der nächste Schritt

Bei den allergologischen Hauttesten werden Allergenextrakte oder Kontaktallergene auf bzw. in die Haut gebracht, um zu sehen, ob sie dort eine lokal begrenzte allergische Reaktion hervorrufen. 

Die folgenden Hauttestungen können durchgeführt werden:

 

Bei Typ I-Allergien (Soforttypallergien):

  • Pricktest
  • Intrakutantest
  • Reibtest
  • Ritztest (Scratchtest)

Bei Typ I-Allergien kommt meistens zunächst der Pricktest zum Einsatz.

 

Bei allergischem Kontaktekzem (Typ IV-Allergie): 

  • geschlossener Epikutantest (Pflastertest)
  • offener Epikutantest

 

Wenn die Ergebnisse der Hauttestung vorliegen, werden diese vom Arzt interpretiert: Der Arzt überprüft, ob die eventuell bei der Hauttestung aufgetretenen positiven Hautreaktionen zu der erhobenen Anamnese, d.h. zum klinischen Bild der Erkrankung und zu den anderen vom Patienten gemachten Angaben passen. Dazu sind u.a. die speziellen Kenntnisse des Allergologen über die Biologie der Allergene (z.B. Blühperioden der Allergiepflanzen) oder die chemischen und sensibilisierenden Eigenschaften von Kontaktallergenen wichtig. Auch seine Kenntnisse überKreuzallergien zwischen verschiedenen Allergenen spielen dabei eine Rolle.

Für alle Allergieteste gilt, dass sich die Ergebnisse an der Anamnese messen lassen müssen. Ein positiver Hauttest ist für sich allein genommen noch nicht beweisend für eine Allergie. In vielen Fällen kann aber - bei guter Übereinstimmung zwischen Hauttestergebnis und Anamnese - die Diagnose Allergie vom Arzt ohne weitere Testungen gestellt werden.

Wenn aber Zweifel an der Relevanz eines positiven Testergebnisses oder an der Richtigkeit eines negativen Ergebnisses vorliegen, werden eventuell noch weitere Testungen angeschlossen.

Das können weitere Hautteste mit anderen Allergenen oder mit anderen Hauttestmethoden sein. Möglicherweise kommen an dieser Stelle aber auch die Laborteste (Gesamt-IgE, allergenspezifisches IgE) oder Provokationsteste zum Tragen.

 

Laborteste - Die Untersuchung des Blutes hilft in Zweifelsfällen oft weiter

Bei den allergologischen Labortesten wird dem Patienten etwas Blut abgenommen und im Labor auf das Vorhandensein von Antikörpern vom IgE-Typ hin untersucht. Dabei wird häufig das Gesamt-IgE im Blut als auch dasallergenspezifische IgE gegen eine Auswahl von Allergenen bestimmt.

Die Laborteste werden manchmal auch eingesetzt, wenn eine Haut- oder Provokationstestung aufgrund bestimmter Gegenanzeigen derzeit nicht stattfinden kann.

Auch für diese Teste gilt das oben Gesagte: Erst bei Übereinstimmung von Anamnese und Testergebnis läßt sich die Diagnose Allergie sichern.

 

Provokationsteste können die Diagnose oft sichern

Bei den Provokationstesten werden die Allergene nicht auf die Haut aufgebracht, sondern direkt an das Organ, an dem der Patient seine allergischen Beschwerden hat. Das sind meistens die Schleimhäute. 

Die Provokationsteste bieten im Gegensatz zu den Haut- und Bluttesten einen entscheidenden Vorteil: Mit ihnen kann in der Praxis sozusagen eine "natürliche Allergenbelastung" simuliert werden. Positive Testergebnisse besitzen daher eine höhere diagnostische Wertigkeit und können in Zweifelsfällen oft die Diagnose sichern. Da diese Testungen aber langwieriger sind und nicht so viele Allergene auf einen Schlag getestet werden können, kommen Sie nur bei speziellen Fragestellungen zum Einsatz.

Zur Verfügung stehen zum Beispiel

  • der nasale Provokationstest bei allergischem Heuschnupfen
  • der bronchiale Provokationstest bei allergischem Asthma
  • der konjunktivale Provokationstest bei allergischer Bindehautentzündung
  • der orale Provokationstest bei Nahrungsmittelallergien (siehe unten)

 

Die Diagnostik bei Nahrungsmittelallergien

Die Diagnostik von Nahrungsmittelallergien gestaltet sich manchmal etwas schwieriger als die von Inhalationsallergien (wo die Allergene eingeatmet werden) oder Kontaktallergien. Denn neben den "echten" Nahrungsmittelallergien, bei denen das Immunglobulin E (IgE) eine wichtige Rolle spielt, kennt man noch die sogenannten Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Bei diesen läßt sich kein IgE gegen Nahrungsmittel in der Haut oder im Blut nachweisen, obwohl die Beschwerden des Patienten oft denen einer Allergie gleichen. Nahrungsmittelallergien können auch die Folge einer allergischen Kreuzreaktion mit anderen Allergenen sein.

Meistens kommen auch bei der Diagnostik der Nahrungsmittelallergie die oben beschriebenen Haut- und Laborteste zum Einsatz. Allerdings besteht besonders bei diesen Allergien die Möglichkeit falsch-positiver oder falsch-negativer Testergebnisse. Dennoch können diese Teste möglicherweise einen ersten Hinweis auf die Auslöser der Beschwerden liefern oder bei der Unterscheidung zwischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten und IgE-vermittelten Allergien helfen.

Auch das Führen eines Allergietagebuches über einen längeren Zeitraum kann helfen, auch zeitlich verzögert auftretende Beschwerden mit dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel in Zusammenhang zu bringen, besonders wenn es sich um "versteckte Allergene" handelt.

Noch aussagekräftiger sind solche Vorgehensweisen, bei denen man dann die als Allergieauslöser vermuteten Nahrungsmittel zunächst für 2 Wochen möglichst ganz vom Speiseplan verbannt (Eliminationsdiät). Gibt es noch gar keinen Anhaltspunkt über die möglichen Auslöser, muss eine gänzlich allergenarme Kost gegessen werden.

Bessern sich unter der allergenarmen Kost die Beschwerden, ist das ein weiterer Hinweis auf das Vorliegen einer Allergie oder Unverträglichkeit. Tritt unter der Diät eine Besserung ein und lassen sich die allergischen Symptome durch den Verzehr des verdächtigten Nahrungsmittels erneut auslösen (provozieren) ist die Diagnose häufig schon klar. Je nach Stärke der zu erwartenden allergischen Symptome sollte aber auch diese Art der Allergenprovokation mit Nahrungsmitteln unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.

Nur in unklaren Fällen wird unter Umständen ein placebokontrollierter Provokationstest (einfach- oder doppelblind) durchgeführt. Bei diesem Test werden die Nahrungsmittel bzw. Nahrungsmittelallergene dem Patienten so verabreicht, dass er nicht sehen und schmecken kann, was er gerade zu sich nimmt. Dieser Test ist recht zeitaufwendig, besitzt aber die größte Aussagekraft. Durch dieses Vorgehen (Verblindung) kann auch die Voreingenommenheit des Patienten gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln als Störfaktor bei der Diagnostik ausgeschaltet werden, die sich nicht selten auch in körperlichen Symptomen äußern kann, die als "allergisch" gedeutet werden könnten.

Der Lohn für die Mühe bei dieser doch häufig recht aufwendigen Vorgehensweise sollte eine möglich exakte Identifizierung der allergieauslösenden Nahrungsmittel sein, die dem Patienten langfristige nutzlose Diäten erspart, die häufig eine merkliche Einschränkung der Lebensqualität bedeuten oder besonders bei Kindern zu einer Mangelernährung führen könnten.